Grundlegende Praxis ist nicht die Übung von Meditationstechniken wie etwa beim Zen, sondern das Entwickeln gläubigen Vertrauens ("shinjin") zur Fürsorge des transzendenten Buddha Amida (Amitabha), was bereits der historische Buddha Shakyamuni als buddhistisches Hilfsmittel für den Weg der Laien empfahl. In der Formel "Namu Amida Butsu" (= ich werde mir der Befreiung durch den Buddha Amida vertrauensvoll bewusst) zeigt sich die Relativierung eigenen Bemühens. Den Kern der Rezitationen bilden die drei Reinen-Land-Sutren und die Werke Shinrans. In den ethischen Idealen, wie dem der Bescheidenheit, gibt es jedoch viele Gemeinsamkeiten mit anderen japanischen Schulen. Der bekannte Gelehrte Daisetz T. Suzuki bezeichnete Zen und Shin als Bruder und Schwester.
Missverständnisse über eine vermeintliche inhaltliche Nähe zum Christentum und zu dessen "absolutem Glauben" bestehen seit den Tagen christlicher Missionsversuche in Japan und China. Sie lösen sich jedoch bereits bei oberflächlicher Kenntnis des Mahayana-Buddhismus (z.B. Bodhisattva-Ideal) und auch des Theravada-Buddhismus ("shraddha" = Glaube/Vertrauen als Grundlage für die Hingabe an die Dharma-Lehre) in sprichwörtlichem Nichts auf. Auch hat das "Reine Land" (Jodo; sukhavati) als Ort der Erleuchtung in der Lehre Shinrans wenig mit dem christlichen Paradies gemein. Wie der Mahayana-Begründer Nagarjuna hielt der Shonin die Vorstellung von einer dualistischen Trennung zwischen einer leidbehafteten Welt (samsara) und einer anderen, vollkommenen Welt (nirvana) für unheilsam. Shin-BuddhistInnen verstehen sich als WeggefährtInnen (Kalyanamitras), die sich gegenseitig auf dem Pfad des Dharmas beistehen. Wenn es auch keine Lehrer im Sinne anderer buddhistischer Richtungen gibt, so hat doch jede Zeit ihre hervorragenden Lehrauslegungen. Hier sind derzeit die englischsprachigen Werke der Professoren Hisao Inagaki, Taitetsu Unno und Alfred Bloom besonders erwähnenswert.

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